Hach ja, die bekannte Selbstüberschätzung der Tremere…
Hihi, da hat bei den Blutschwertern echt einer den Vogel abgeschossen… zum Thema Malkavianer-Harpyie schreibt Mr. Toxex ein User, dass die Verrückten immer den Grausamen unterlegen sein werden, und Tremere-Harpyien viel, viel schlimmer seien, da sie statt Ahnungen und Visionen immer knallhartes Wissen hätten, selbst in Fällen, wo das gar nicht möglich sei.
Die Autorin hat sehr gelacht.
Vor allem über die Argumetation, aber egal.
Was hindert Malkavianer daran, sich knallhartes Wissen anzueignen? Und warum sollte ein Tremere Harpyie außerhalb des eigenen Clans sein wollen/dürfen? Aber egal. Tremere = grausam = hä? Aber egal.
Die Autorin möchte dies nur zum Anlass nehmen, etwas näher auf ihre eigenen Anschauungen und Vorlieben einzugehen. Sie möchte zugeben: Ja, ich habe eine Macke. Oder etwa doch nicht? Jedenfalls gehört zu ihren tiefsten Überzeugungen, dass Malkavianer keine haben. Keine Macke. Keiner von denen. Geistesstörungen sind keine Macke, wer das glaubt, war noch nie mit einer konfrontiert, hat keine betroffenen Familienmitglieder, Freunde, Bekannten. Hat noch nie eine irratonale Panikattake erlebt, leidet nicht an einer Phobie, an Depression, an Anorexie, einer bipolaren Störung oder sonstwas. Was würde so jemand sich erschrecken, wenn er wüsste, wieviele Menschen in seiner Familie und seinem Freundeskreis an einer mehr oder weniger schweren Geistesstörung leiden oder litten. Und dadurch wird der Betroffene ja kein anderer Mensch. Wenige Störungen sind so schwer und allgegenwärtig, dass der Mensch absolut nicht mehr in unserer Gesellschaft funktionieren kann. Vielleicht gibt es ab und an kleine Ausfälle, vielleicht sind ein paar Dinge irgendwie anders, aber die meisten Leute kommen ja schließlich irgendwie zurecht, zumindest soweit, dass niemandem auffällt, wie es wirklich um sie steht. Ihr würdet euch alle wundern. Ihr würdet euch wundern, wenn ihr wüsstet, wieviele Leute ihr kennt, die zumindest eine leichte Geisteskrankheit oder eine Störung haben. Meist nicht mal die, auf die ihr als erstes tippen würdet, weil ihr sie nicht leiden könnt. Ihr würdet euch wundern, wenn ihr wüsstet, wie leicht es ist, spontan von einer Psychose überfallen zu werden, oder sich eine schleichende Depression zu züchten. Das passiert nicht nur Losern, Leute. Das kann jedem passieren, jeden Tag. Wird man dadurch ein anderer Mensch? Nein, meistens nicht. Wird man unzurechnungsfähig? Vielleicht, oft nur vorübergehend. Wird man auffällig? Nein, nicht unbedingt. Wird man plötzlich dumm? Nein. Das Leben geht weiter und man kommt irgendwie zurecht.
Definieren sich Malkavianer über ihre Geistesstörung? Die meisten nicht, warum sollten sie auch? Definiert ihr euch ausschließlich über den Zustand eurer Zähne, über eure Art zu sprechen, über eure Verdauung, über euren Fußpilz? Klar, das können lebensbestimmenende Themen werden. Aber definieren sie einen Menschen, eine komplette Persönlichkeit? Wohl kaum. Zu einer Person gehört eine Menge mehr. Ich schreie damit gegen Stereotypen an, vor allem gegen die Stereotypen in euren Köpfen, was Malkavianer angeht. Malkavianer sind nicht bescheuert. Malkavianer sind keine Loser. Malkavianer sind keine von Ahnungen und Visionen vage angetriebenen Schlafwandler. Malkavianer sind knallhart. Ein Malkavianer, der nicht die Kraft hat, seinem eigenen Verstand und seiner eigenen Störung standzuhalten, geht zugrunde, und zwar schnell. Die Malkavianer die noch da sind, haben die Hölle gesehen, ihre eigene Hölle, sie leben darin. Und wie überlebt man in einer Hölle, der man nicht entkommen kann? Man arrangiert sich damit, man kommt zurecht, man macht weiter. Man erzählt niemandem davon, schließlich will man nicht für schwach, für einen Loser gehalten werden. Visionen, Ahnungen? Gerne, aber wenn man das jemandem erzählt, werden die einen doch für bescheuert halten. Also Klappe halten und so tun, als hätte alles Sinn, was man sagt und tut. Als wüsste man, wovon die anderen reden. Als wäre man normal.
Klar gibt es auffällige Malkavianer. Manchmal merkt man ziemlich schnell, dass da jemand nicht so ist, wie er sein sollte, und das kann ein verdammt beunruhigendes Gefühl sein. Weil plötzlich alles, was man über Menschen weiß, über Bord geworfen wird, weil man nicht weiß, was als nächstes kommt. Plötzlich ist alles möglich. Aber mit Sicherheit nicht der dumme Malk, der einen an der Waffel hat und seine eigenen Unterhosen nicht fände, wenn er sie auf dem Kopf trüge. Geisteskrankheit ist nicht gleichzusetzen mit Debilität, das vergessen viele. Bis auf den Aspekt ihrer Störung funktionieren Malkavianer relativ normal, sie haben eine vielschichtige Persönlichkeit und ein irgendwie funktionierendes Unleben. Ob sie sich dabei für die Reinkarnition des Messias halten oder wissen, dass der Tote Gott Yahsuarnakioight in ihrem Schrank lebt und bei Vollmond ein Opfer fordert oder einfach nur panische Angst vor der Zahl Dreizehn haben – das ist halt nur ein Aspekt. Geistesgestörte konfrontieren uns mit den Grenzen unseres Verstandes und unseres Verständnisses und das kann Angst auslösen – auch bei Spielern. Deshalb mag es vielen Runden angenehmer sein, Malkavianer einfach nur dämlich darzustellen. Vieles resultiert auch aus Unkenntnis, viele Spieler wissen nicht mal genau, was eine Geistesstörung eigentlich ist, denken gleich ‘Schizophrenie‘ und wer daran denkt und sich nicht auskennt, der denkt auch gleich ‘Massenmörder‘ oder ‘bekloppt halt‘ oder ‘aha, zwei Personen in einer‘. Alles totaler Blödsinn. All das sind nur einzelne Aspekte des hochkomplexen menschlichen Geistes, die mal mehr, mal weniger miteinander zu tun haben – meist nur dadurch, das sie alle einzeln irgendwie in die Kategorie Psychische Störung fallen, aber nicht in dieselbe Unterkategorie. Der Verstand und die Seele sind ein weites Feld. Und: Man sollte sich wenigstens informieren, Leute.
Auch Malkavianer sind in erster Linie mal Vampire, und das sind sie sehr effektiv. Viele Malkavianer sind ziemlich schlau und fähig und sie können jedes beliebige Amt der Camarilla (oder auch des Sabbat) stellen. Sie sind Kainiten wie andere auch, und was ein Malkavianer an geheimen Plänen und Zielen, Leichen im Keller oder Geistesstörungen hat, ist von außen erstmal nicht unbedingt abzuschätzen, genau wie bei jedem anderen Kainiten auch. Weggetretene Malkavianer in Häschenpuschen? Eine Erfindung schlechter Spielleiter und schlechter Spieler, manchmal leider auch eine Erfindung schlechter Autoren. Eine Geistesstörung hat immer irgendeinen Sinn in der Persönlichkeit des Gestörten und erlaubt ihm, trotzdem irgendwie weiter zu machen. Und warum sollte ein Malkavianer nicht genauso fähig und effektiv werden wie ein Mitglied irgendeines anderen Clans?
Soviel erstmal dazu. Ihr merkt, die Malkavianer zählen zu den absoluten Lieblingsclans der Autorin, und müssen sich den ersten Platz in ihrem Herzen mit den Tzimisce teilen. Die Tremere als solches sind überaus faszinierend, verdienen aber alles, was sie am Ende kriegen werden. Das nennt die Autorin einen verdammt guten Metaplot, was die Vampire-Autoren da gebastelt haben. Gehenna ahoi! (Requiem stinkt!) Und als Spielleiter und Erzähler möchte sie anmerken: Alle, definitiv alle Clans haben etwas Besonderes und sind toll, faszinierend und spannend. Über Malkavianer schwafelt sie aber besonders gern, da es sich um einen ganz besonders unverstandenen Clan handelt. Wegen der Angst der Menschen, sich mit ihren Abgründen zu konfrontieren und über etwas nachzudenken, was das eigene Denken über den Haufen werfen könnte.
Aber vergesst nicht, Kinder: „Die Verrückten werden immer den Grausamen unterlegen sein“…
… die Autorin hat selten einen derart sinnlosen Satz gehört, insbesondere, da er sich auf Malkavianer und Tremere bezieht. Schließlich ist doch die einzige und absolute Wahrheit: Die Tremere suchen noch, was die Malkavianer schon gefunden haben. Und die Tzimisce haben es ebenfalls gefunden, nur woanders.
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- Veröffentlicht:
- Freitag, 16. März 2007 / 1:24
- Kategorie:
- And other curiously shaped magical whatnots - Geek Pride!, Moon-struck madness - Verzweifelndes
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