Dinge, die halt so vor sich hin…

… und überhaupt. Ja.

Wisst ihr, was mich schon unglaublich lange aufregt? Aber so richtig mit Blut in Wallung und Schreikrämpfe?

Balisto.

Jetzt nicht das Produkt an sich, das ist durchaus genießbar und ich als bekenndene Schokoladenabhängige mag eigentlich fast alle Schokoriegel. Aber. Habt ihr schonmal die Balisto-Fernsehwerbung bewusst wahrgenommen? Ich sehe meistens die mit der Frau in Lila, bilde mir aber ein, dass es da auch noch einen Spot in grün und einen in orange gibt. Aber der lila Spot ist besonders schlimm. Da ist diese Frau und die reißt zurückhaltend verführerisch die Balisto-Verpackung mit dem Mund auf. So weit so gut. Dann beißt sie genüsslich ein RIESEN-Stück Balisto ab – zumindest scheint es so, denn sie kaut ausgiebig, sie kaut so richtig gut, als hätte sie einen Riesenbissen eines wirklich echt verdammt guten Schokoriegels im Mund. Und wenn man hinschaut, dann sieht man, dass sie ungefähr maximal einen Kubikmillimeter von ihrem Balisto abgebissen hat. DA FEHLT FAST NIX! Nur so ein winzig kleines Eckchen. Und sie kaut und kaut und kaut drauf rum als wär es ein gutes Stück Rinderbraten. Da fehlt nix von dem Riegel! Und die tut so, als hätte sie den Mund unglaublich voll und es wäre das Beste im bekannten Universum. Da fühle ich mich nicht nur als Verbraucher gelackmeiert – wer auf NICHTS so genüsslich rumkaut, der lügt!!! – sondern auch… ach, ich will jetzt nicht mit kranken Schlankheitsidealen und Nur-so-tun-als-ob-man-essen-würde-Sachen anfangen. Am ehesten kann ich einfach nicht glauben, dass mich die Werbeindustrie einfach für so scheißedoof hält, dass ich nicht merke, dass diese blöde Schauspielerin nichts im Mund hat. Und bei Leuten, die kauen, obwohl sie nix im Mund haben, wird mir schlecht und ich möchte sie echt vermöbeln, keine Ahnung, warum das so ist. Tja, so viel zum Thema “Ich bin Pazifist”. Das auch nur mal so am Rande, aber diese Sache brannte mir schon seit vielen Monaten auf der Seele. Ich kann das Thema auch gerne weiter ausbreiten, wenn gewünscht.

Was ganz anderes: Die besorgten Gedanken über meine unagekündigte Abwesenheit rühren mich.

Manchmal ist es für mich ganz entspannend, mal bewusst einige Tage gar nicht online zu gehen. Wurde vereinfacht durch außer Haus sein und keinen vernünftigen Anschluss haben. Außerdem passiert ja echt nicht jeden Tag irgendwas und ich bin halt auch einfach kein geselliger Mensch. Echt nicht. Ich habe auch bemerkt, seit ich Freunde habe, habe ich viel weniger Zeit zum Lesen. Das liegt nicht nur an dem vielen Stress im Semester und am Fernsehen. Es gibt einfach zuviele Menschen, die mich offenbar mögen. Das war nicht mein ganzes Leben so, sonst hätte ich ja keinen Vergleichswert – die Zeit, in der ich sehr viel gelesen habe. Auch Beziehungen sind zeitraubend. Aber ob das jetzt schlimm ist… dann vielleicht doch ein Buch weniger. Aber gelegentlich muss ich mich jeglicher Zuneigung entziehen und in meinem einsamen Gotentum schwelgen, sonst tick ich echt aus. Ansonsten betätige ich mich gerade als Beraterin und vermutlich auch ein bisschen seelischer Halt für eine liebe Erstsemestlerin, die während der Orientierungswoche von älteren Studenten betrunken gemacht und durch Marburg gescheucht wurde – das nennt sich dann Stadtrallye und ist Tradition. Meine Stadtrallye (damals…) war nicht halb so schön, die Anglisten sind aber auch blöde Weicheier und lassen den Alkohol weg. Ich möchte mich sowieso von meinem Fachbereich distanzieren, da laufen mir zuviele Idioten rum. Ich sozialisiere mich da lieber mit den Historikern und den Keltologen, die wissen wenigstens, wie der Hase läuft. Je brotloser die Kunst, die man studiert, desto mehr Alkohol, so die simple Rechnung, und ich bin immerhin einer der allerletzten Magisterstudenten, nicht mal Englisch Lehramt, was will man eigentlich damit? Mit den Historikern saufen, ganz einfach. Und so tun, als kennte man die blondierten “Ich war ganz viele Semester in den USA, das ist so toll”-Studentinnen und die Lehrämtlerinnen in rosa Pullundern nicht. Und natürlich ist die Woche vor Semesterbeginn eine organisatorische Katastrophe sondergleichen, nur übertroffen von der ersten Semesterwoche. Und da müssen grade auch noch zwei Hausarbeiten fertig werden. Ach ja, da kann man ganz träge und melancholisch werden, sach ich euch…

Ganz großer Dreck ist es natürlich, wenn man wieder online gehen will und es geht nicht. Weil das Internet kaputt ist. War es nämlich gestern. Sogar heute morgen noch luden die Seiten nur so halb… furchtbar lustige Geschichte: heute morgen um neun waren die Anmeldungen für die Kurse in der Anglistik. Online-Anmeldungen. Mit schnellem Internet normalerweise kein Problem. Heute morgen brauchte die Seite seeeeehr lange um zu laden. Ich gebe also alle meine Daten ein, klicke den Kurs an, den ich gerne machen möchte – und habe keinen Button um es abzuschicken. Weil die Seite nicht lädt… auch nicht die nächsten 18 Minuten, in denen ich zusehen darf, wie ein Platz im Kurs nach dem anderen verschwindet. WLAN mit ironic twist. Immerhin bin ich auf der Warteliste. Wie schön.

Ich habe mich außerdem die Tage mal gefragt: Wie wird das eigentlich sein, so in 30 bis 40 Jahren? Werde ich immer noch begeisterte Rollenspielerin mit Schwerpunkt Pen&Paper sein? Da gibt es ja kaum Präzedenzfälle, so alt ist das Hobby schließlich nicht. Dass ich mit dreißig noch mit meinen Freunde durch Dungeons pöbeln werde, ist mir schon irgendwie klar, ich bin schließlich Vollblutrollenspieler. Genau wie Gothic ist das nicht “nur so ‘ne Phase”. Aber rollenspielende Senioren? Ein Leben ohne RPG ist einfach völlig undenkbar für mich, aber so wirklich vorstellbar ist es auch nicht, noch im Altenheim als Vampir im Mittelalter rumzustürzen oder sich durch eine fiktive Zukunft ballern. Aber ein schöner Gedanke wäre, dass alle “true” Rollenspieler irgendwann ein bisschen werden wie der alte J.R.R. Tolkien, geistig irgendwie in zwei Welten zuhaus, die eine wie die andere mit Liebe gehegt und gepflegt. Märchenonkel und -tanten, die von ihrem ersten erlegten Drachen erzählen, ja, das klingt schön.


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