Sound Turned Off

Sie stand am Straßenrand, als habe sie etwas vergessen. Oder als würde sie warten. Ihr Haar schlug ihr ins Gesicht während die Autos vorbeirauschten. Sie wirkte verträumt, als sie einige Schritte ging und wieder stehen blieb. An den Tränen in ihrem Gesicht hatte sicher der scharfe Wind Schuld.

In ihrem Inneren war kein Aufruhr, nicht mehr. Auch keine Ruhe. Sie fühlte eine angenehme Taubheit. Sie blickte staunend in die Welt und nahm doch nichts wahr. Sie fragte sich kurz, ob sie träumte, denn alles war so normal und zugleich so unendlich weit weg von ihr und sie konnte nichts tun außer zuzuschauen. Es schien ihr sowieso nicht real. Alles bestand nur aus abgehackten Bildern, die ihrem Hirn kein Verständnis abringen konnten, und einem leisen Rauschen. Sie wartete. Sie wartete, während die Welt um sie herum langsam in ihre Bestandteile zerfiel. Sie sah es sich einfach nur an, unwillig, etwas anderes zu tun als das. Sie lächelte, doch sie bemerkte weder das, noch die Tränen, die über ihr Gesicht liefen.

Die Passanten sagten später, dass sie das Auto auf jeden Fall kommen sah. Sie ging ihm mitten auf der Schnellstraße entgegen als gebe es nichts Selbstverständlicheres. Vielleicht hatte sie nichts dem Bremsweg überlassen wollen.

*

„And I’m waiting ♦ with the sound turned off I’m waiting ♦ like a glass balloon ♦ and I’m fading ♦ into the void and then ♦ I’m gone, I’m gone, I’m gone…“

Marilyn Manson, „They Said That Hell’s Not Hot“


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