Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Bla.
Die Mormonen sind ja in Marburg mal wieder exzessiv unterwegs. In der Innenstadt, im Bus, überall.
Ich mag Mormonen.
Die tragen so adrette Anzüge, mit ihren putzigen Namensschildern dran und kommen alle aus den USA zum Missionieren her. Und mein dieswöchiger Mormone, Elder Louis (die heißen alle “Elder” mit Vornamen), sah auch echt knackig aus. Diese interessante Kopfform, die man irgendwie als typisch amerikanisch empfindet. So wie Mark Valley.

Gut, Elder Louis hatte nicht so ein nerviges Lächeln. Aber Mormonen auf Mission werden, denke ich, darauf hingewiesen, dass sie nicht wirken sollen, als wollte sie etwas verkaufen. Neinneinneinneinnein. Und anders als die “DÜRFEN WIR MIT IHNEN ÜBER GOTT SPRECHEN???” Zeugen Jehovas beginnen Mormonen solche Gespräche immer mit etwas anderem. Immer. Wahrscheinlich steht das in der Mitgliedsbroschüre “Ungläubige bekehren für Anfänger” oder so. Sie fragen nach dem Weg. Nach Sehenswürdigkeiten – sie sind ja nicht von hier. Elder Louis fragte mich nach dem Schloss und ob man das auch von innen besichtigen könne. (Warum die immer mich ansprechen? Keine Ahnung. Vielleicht sehe ich besonders hübsch aus. Oder besonders ungläubig. Oder ich strahle dieses “Komm schon, kleiner Mormone, trau dich!” aus. Ich nehme auch immer breit lächelnd den “Wachtturm” von den Zeugen an. Ich bin einmal extra ins Kaufhaus gegangen, weil so eine evangelische Organisation gratis Bibeln verteilte – das fand ich sehr nett und hatte gerade keine.)
Jedenfalls fragte mich Elder Louis, ob ich mich ein bisschen auskennen würde, ob ich schon mal in Heidelberg war, da war er ja ein halbes Jahr und man hätte ihm gesagt, dass Marburg noch schöner wäre. Und ob ich mich in der Wetterau auskenne.
DENN IN DER WETTERAU ist ja demnächst ein Kongress seiner Organisation, entschuldigung, ich habe mich gar nicht vorgestellt, und jedenfalls glauben wir, dass Jesus seine Kirche erst in uns fortgesetzt hat und BLA. Ob ich denn religiös sei.
Ja, sagte ich, ich bin Buddhistin.
Oh. (Pause) Ja, da gibt es viele Parallelen, er habe ja auch mal eine Weile Yoga gemacht, wegen einer Verletzung. Im Buddhismus meditiert man viel, nicht wahr? Und es gibt viele Parallelen.
Und da wir sowieso fast an der Endhaltestelle waren, beschränkte ich mich aufs Lächeln und Nicken. Und vor allem gibt es im Buddhismus ein Missionsverbot, dass ich sehr angenehm finde. Ich werde niemals in die Verlegenheit kommen, den einzig wahren Glauben zu haben. Ich verzichtete also darauf, Elder Louis auf seinen Denkfehler bezüglich der “großen Parallelen” aufmerksam zu machen: In der Praxis (Nächstenliebe, Kontemplation etc.) ähneln sich verdammt viele Religionen. Aber bei allen Parallelen könnte ein kleines Detail für Bauchschmerzen sorgen: Als Buddhistin empfinde ich die Existenz oder Nichtexistenz von Gottheiten als irrelevant, verehre keine Götter und behaupte nicht, göttliches Gesetz zu befolgen. Das könnte, verglichen mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, doch irgendwie ein Störfaktor sein.
Aber das kann Elder Louis mal echt egal sein.
Und vielen, vielen Dank, lieber Elder Louis, für deine ausdrückliche Einladung. Aber ich werde wohl nicht zu eurem Kongress irgendwann irgendwo in der Wetterau auftauchen. Und das ist eigentlich gar nicht so schade. So, wie du aussiehst, findest du bestimmt die eine oder andere, die gern mitkommt.
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- Published:
- Montag, 7. April 2008 / 3:00
Von dem Mormonen hab ich auch nur eine läppische Broscüre bekommen.
nur als wir auf dem Rückweg von Taizé waren wurde uns so ein ‘Ihr seid alle Sünder weil ihr Spaß habt und überhaupt ständig nur sauft wie alle Jugendlichen’-Flyer in die Hand gedrückt.
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