Blick von hinten in die Zukunft (Eine Nachbearbeitung)
Oder auch: Horoskop-Livestream.
Und da ja im Rückblick auch alle Prophezeiungen von Nostradamus eingetroffen sind bzw. sein werden, wissen wir (spätestens seit so wunderbaren und notwendigen Erfindungen wie „Galileo Mystery“), dass man Zukunftsorakeleien nur im Rückblick versteht. Kann man im Rückblick auch die Qualität beurteilen? Ja, wenn es sich (anders als bei Nostradamus und seinesgleichen – eher vorsichtig vagen Sternendeutern) um einen klar definierten Zeitrahmen handelt: das Tageshoroskop!
Phrixus besorgte sich also gleich eine Monatsausgabe. Zehn Tage sind schon rum, Zeit für eine Bestandsaufnahme. Irgendwas muss doch wenigstens rückwärts Sinn ergeben – so dass man sich wenigstens sgaen kann „Hätte ich doch nur auf die Sterne gehört!“ AstroTV hat übrigens, wie ich an dieser Stelle einwerfen möchte, stark an Qualität verloren. Keine ätherischen Supermarktkassiererinnen oder Von-Pädagogik-auf-Heilfasten-Umsteigerinnen mehr, nur noch dieser blöde, arrogante Typ, der sich Lestat nennt und diesem Namen keine Ehre macht. Bah! Vielleicht schalte ich aber auch einfach zu den falschen Zeiten ein.
Hier jedenfalls der Live-Rückblick! Das Phrixus-Horoskop! Was wird das Sternzeichen Coyote so alles im Februar treffen?
1. Februar
„Sie drohen in einem Meer der Missverständnisse zu versinken, doch ein Partner oder Verbündeter entpuppt sich als Retter in der Not. Abends können Sie mit netten Freunden an neuen Orten entspannen.“
Phrixus entspannt sich den ganzen Sonntag mit netten Freunden an bekannten Orten. Missverständnisse nicht in Sicht… doch! Nämlich die gemeinschaftliche Feststellung, dass der Film „Bram Stoker’s Dracula“ nicht ganz so doll dem Buch entspricht. Da haben sich beim Regisseur wohl ein paar Missverständnisse eingeschlichen. Sonst alle einhellig der Meinung, dass Keanu Reeves einfach keine Mimik hat.
2. Februar
„Ihr Bemühen, sich mit jemandem zu verbünden, könnte heute fehlschlagen. Seien Sie nicht zu fordernd. Kreativität hilft einem Vorhaben auf die Sprünge. Sie genießen einen Abend außer Haus.“
Nichts fehlgeschlagen. Allerdings auch nicht verbündet, mit wem und warum denn? Naja, für die Sterne zählt da vermutlich schon ein Anruf beim Professor und die Bitte ums Zweitkorrektorat der Arbeit. Ist aber auch nicht fehlgeschlagen. Aber immerhin: Phrixus war nicht zu fordernd. Abends daheim gewesen, trotzdem genossen. Da stimmen doch schonmal gute 50 Prozent! So falsch können Horoskope also nicht sein.
3. Februar
„Es fällt Ihnen leicht, Freunde zu gewinnen und Menschen zu beeinflussen. Ihre Kommunikationsfähigkeiten wirken Wunder & Sie erhalten grünes Licht für einen Vertrag. Ein Wunsch wird erfüllt.“
Freunde hat Phrixus schon. Mit den Kommunikationsfähigeiten ist eindeutig das stumme Augenbrauenwackel-Mundwinkelzuck-Gespräch im Seminar gemeint, bewirkte das Wunder, dass die Langeweile für einen Augenblick verflog. Von einem Vertrag nichts in Sicht, Wunsch aber erfüllt: der Wunsch nach gutem Essen. Tortellini mit Carbonara. Auch hier: gute 50% eingetroffen.
4. Februar
„Mit Geben und Nehmen erzielen Sie am Arbeitsplatz die Mitarbeit, die Sie zum Abschluss bzw. Beginn eines Auftrags brauchen. Familiär läuft alles bestens, dank Expertanrat oder einer Eingebung.“
Offenbar ist der 4. Februar der Tag für glückliche Arbeitnehmer und Menschen in Familientherapie. Na toll! Für Phrixus ist nix dabei – keine Arbeit, kein Expertenrat!
5. Februar
„Andere haben heute vielleicht nicht die richtige Lösung oder Einstellung. Mit Selbstgenügsamkeit bleiben Sie und Ihre Projekte auf Kurs, & es lohnt sich, auf eine bewährte Methode zurückzugreifen.“
Na klar! Selbstgenügsamkeit – check! Zwei Croissants in der Mensa zählen doch, oder? Alle Projekte auf Kurs, Sir! Vor allem Projekt Kaffeetrinken. Altbewährte Methoden angewendet: Bücher gekauft. Aber welche astrologische Bedeutung für Phrixus’ Zukunft ein Buch über Käse und ein unfreiwillig komischer, in Transsilvanien spielender Liebesroman haben, das wird hier natürlich verschwiegen! Hmpf.
6. Februar
„Alle drehen sich im Kreis, doch mit straffer Organisation & Planung schaffen Sie, was auf dem Tagesplan steht. Behalten Sie Negatives jetzt für sich. Keine Neuigkeiten können gute Neuigkeiten sein.“
Straffe Organisation und Planung… naja, ein bisschen Aufräumen war schon drin, bevor Besuch kam. Dafür fand der Besuch die Frühlingsdeko scheiße. Da hätte das Horoskop ja mal denen sagen können, dass man Negatives besser für sich behält! Aber Phrixus musste ja auch dumm nachfragen. Und: Es gab keine Neuigkeiten von verdammt vielen Leuten! Gut so! Zu großen philosophischen Erwägungen sagt das Horoskop natürlih wieder gar nix, beispielsweise ob Phrixus in die Pogo-Anarchia zu Marburg eintreten oder eine eigene Verbindung gründen sollte, solange es noch geht. Dann könnte man wie so viele andere auch couleurtragend heiraten. Schwarz auf schwarz, das wär doch was. Mit Hochzeitsfoto vorm Verbindungswappen. Schließlich möchte man ja auch irgendwie so sein wie alle anderen. Verbindungen bieten sich da an.
7. Februar
„Voreilige Worte oder Taten schmälern nur die Fülle an Gelegenheiten, die sich heute bieten. Wenn Sie anderen zuhören, machen Sie wertvolle Entdeckungen. Lassen Sie den Tag gesellig ausklingen.“
Phrixus’ Nachhilfekind erklärte, es würde sein Gehirn lieber nicht benutzen in seinem Alter. Anderen zuhören wollte Phrixus danach wirklich nicht mehr. Der Tag klang allerdings gesellig und völlig betrunken aus. Also sowas von. Wenigstens eine Sache richtig gemacht.
8. Februar
„Es deprimiert Sie, zu Hause zu sitzen. Gehen Sie essen, treiben Sie Sport oder tun Sie eine gute Tat, dann fühlen Sie sich besser. Ein Gespräch mit einem Kollegen bringt Ihnen einen Tip ein.“
Jaja, Kino und so. Aber Phrixus hätte sich daheim auch nicht umgebracht. Was zählt denn bei diesem blöden Ding eigentlich als Kollege? Was wäre das Substitut für die nicht-arbeitende Bevölkerung? Kommilitone? Saufkumpel? Zählt das auch oder habe die Sterne explizit „Kollege“ gesagt – im Sinne von „Arbeitskollege“? Müssen dann alle Arbeitslosen diesen Teil überspringen? Oder sind die Sterne eher süddeutsch und meinenmit „Kollege“ schon „Freund“? Fragen über Fragen an die alte Tante Astrologie. Wie denn nun?!
9. Februar
„Im Geschäfts- oder Privatleben herrscht Unruhe. Es ist kritisch, dass Sie Selbstkontrolle und Geduld walten lassen. Wenn Sie vom Herzen sprechen, kommen Sie weiter – mit Familienmitgliedern wie VIPs.“
Geschäfts- oder Privatleben, was man halt grad da hat. Ich finde es kritisch, dass sich dieser Horoskopverlag einen neuen Übersetzer sucht. Und mal ganz vom Herzen gesprochen – trotz engelsgleicher Geduld ist Phrixus mit keinem einzigen VIP weitergekommen.
Vorschau: 10. Februar
„Sie laufen Gefahr, in der Vergangenheit steckenzubleiben. Durch Gedankenaustausch, Recherche und Netzwerken finden Sie zu einer Lösung. Ein Freund oder Internetkontakt weiß nützliche Tips.“
Uuuuuuuuuuuuuuuuuh, so spannend! Was wird wohl heute noch geschehen?! Wenn mit „Vergangenheit“ das Bett gemeint ist, in dem bin ich tatsächlich steckengeblieben, konnte mich durch intensiven Gedankenaustausch mit mir selbst jedoch zum Aufstehen durchringen. Mal sehen, wie es weitergeht!
About this entry
You’re currently reading “Blick von hinten in die Zukunft (Eine Nachbearbeitung),” an entry on ...orestias - tales from the mountains...
- Veröffentlicht:
- Dienstag, 10. Februar 2009 / 16:47
- Kategorie:
- Curiouser and curiouser! - Alltag, Nothing is ever quite true - Persönliches, With enough soap... - Paper Street Soap Company
- Schlagworte:
- Astrologie, Blödsinn, Horoskop, Sternzeichen
1 Kommentar
Jump to comment form | comment rss [?] | trackback uri [?]