Lieber Lucius, wtf?!

Ich bekam heute eine sehr seltsame Mail von einem gewissen Lucius. Seine Mailadresse ist nichtssagend, er selbst sagte auch nichts über sich, aber er gratulierte mir zu meiner tollen Internetpräsenz. Mein Name oder der meiner Internetpräsenz tauchten dabei zwar nicht auf, aber hat sich jedenfalls die Mühe gemacht, meine Emailadresse hier aufzusammeln. Und zum Dank für meine „großartige Homepage“ bekam ich den (defintiv harmlosen) Link zu einem youtube-Video mit Georg Schramm mit seinem beliebtem Thema „Volksverblödung“. Ob mir damit etwas Bestimmtes gesagt werden wollte, ich weiß es nicht.

Da ich diese Mail jedoch dermaßen kurios fand und mir bei solchen Erlebnissen oft gesagt wird, „Ach, dir passieren im Internet immer so lustige Sachen!“ (- na danke! Ich offenbare hier gepeinigt meine Paranoia, Mail-Missverständnisse, Forenkriege und andere Peinlichkeiten und ihr… Nun gut, ein gewisser Unterhaltungswert für meine Umwelt lässt sich nicht abstreiten, wer leidet nicht gern dafür -) lasse ich euch auch an diesem Erlebnis teilhaben. Hier also meine bereits verschickte Antwort auf Lucius’ Mail, ich verbleibe in der tiefen Hoffnung auf sein nächstes Schreiben.

Lieber Lucius,

bevor ich mich für die Blumen bedanke, wüsste ich gerne, wer Sie sind und worauf Sie sich mit „Ihrer Präsenz“ beziehen. Ich führe mehr als eine Internetpräsenz und es würde mir sehr dabei helfen, Ihre Mail gedanklich einzuordnen, wenn Sie mir verrieten, wofür genau Sie sich begeistern konnten und was Sie mir mit Ihrer Mail sagen wollten, dass Sie mir nicht einfach auf eben jener Präsenz als Kommentar hätten hinterlassen können. Ob Sie in Wirklichkeit Spam sind, weiß ich nicht (dass Sie mich nicht mit Namen anreden und auch meine Internetpräsenz nicht direkt nennen ist allerdings ein Indiz), da Sie sich aber offenbar Mühe gemacht haben, antworte ich erstmal.

Sehen Sie, nichtssagende – da nicht einzuordnende – Mails von einer völlig fremden Person, die nichts über sich verrät, an die private Mailadresse zu bekommen, ist etwa wie ein völlig Fremder, der plötzlich mit Kaffee und Kuchen vor der Tür steht: möglicherweise eigentlich nett, möglicherweise psychopathisch, möglicherweise Jehovas Zeuge – aber ganz sicher erstmal unwillkommen und unheimlich. Nennen Sie mich xenophob, aber ich bin halt andererseits auch nicht völlig frisch vom Lande.

Sollte es sich bei Ihnen tatsächlich um eine mir neue Art vom Spam oder sonstiger Email-Belästigungsform handeln, gratuliere ich zu derart großer Kreativität und wünsche weiterhin frohes Schaffen.

Herzliche Grüße.

EDIT (27.03.): Lucius scheint etwas zu sein, dass es im Internet nur an geheimen Orten gibt und das noch seltener Kontakt aufnimmt: ein netter Mensch. Das freut mich und ich nehme ihn in meine Sammlung auf.


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