Fighting the Good Fight… doch aller Anfang ist schwer. Vegetarier Sein, Teil 1.
Zu: Schnauze voll. Phrixus ab jetzt Vegetarierin.
I’m not a vegetarian because I love animals. I’m a vegetarian because I hate plants. – A. Whitney Brown
Ich reagiere ja allergisch, wenn mich plötzlich auf der Straße jemand mit Broschüren anspringt oder mir seinen betroffensten Gesichtausdruck entgegenhält und fragt, „Lieben Sie Tiere?! Dann wollen Sie bestimmt etwas gegen ihr Leid tun!!!“ Entschuldigung, ich möchte nicht von professionellen (und/oder unfreiwillig lächerlichen) Schlechtes-Gewissen-Machern belästigt werden – deshalb wird man mich niemals in Organisationen wie PETA oder dem Vegetarierbund finden.
Trotzdem ging ich am Dienstag, dem 05. Mai 2009, aus dem Haus und beschloss, ab diesem Tag vegetarisch zu leben. Auch auf Milch, Milchprodukte und Eier will ich weitgehend verzichten – jedoch nur so weit, dass die Veganer immer noch laut „Mörder!“ brüllen können, wenn sie mich wittern. Ein Teil meiner Freunde ist inzwischen auch darüber informiert und ich hatte inzwischen das gesamte Spektrum an Reaktionen. Zumindest hoffe ich das (grobe Beleidigungen waren natürlich nicht dabei), denn die Woche hat mir durchaus zugesetzt und ich möchte inzwischen eigentlich eine Weile gar nicht mehr darüber reden, da ich langsam aufpassen muss, dass mir nicht schon bei der Frage „Warum?“ die Tränen kommen. Aber vielleicht ist das einfach so.
Ich möchte meine Gründe also relativ kurz (so kurz es eben geht) umreißen. Dass mir die Tiere so leid tun, spielt eine vergleichsweise geringe Rolle – zumindest zittert mir nicht die Unterlippe, wenn ich an Tierhaltung oder Fleisch denke. Natürlich tun mir Tiere leid! Mitgefühl mit jedem Lebewesen ist meine Einstellung, mein Ziel, mein Ideal als Buddhistin, aber ich leide ziemlich sicher nicht am Bambi-Syndrom („Das arme, niedliche Tier!“). Wer mich kennt oder hier schon länger liest, weiß jedoch, dass ich mir auch sehr viele Gedanken über das Klima, die Umwelt, unseren Planeten insgesamt mache – also natürlich auch über Tiere, Menschen, Ökosysteme. Und da mache ich mir Sorgen. Nicht, dass ich in Panik verfiele oder glaubte, dass wahlweise der Meeresspiegel uns alle verschlingt, wir eine Eiszeit bekommen oder wir einfach alle in einem allgemeinem Chaos aus Wasser, Dschungel, fehlendem Nordpol, Erdachsenverschiebung und Meteoriten sterben werden. Meine Güte! Wer weiß schon, was passiert?! Das entbindet aber eben niemanden von seiner persönlichen Verantwortung der Umwelt gegenüber. Ich kann niemanden dazu zwingen, etwas zu ändern, aber ich kann mein eigenes Verhalten ändern. Meiner Ansicht ist es die Pflicht eines jeden, im Rahmen seiner Möglichkeiten ein ökologisch verträgliches, sprich: gutes Leben zu leben. Ich will also meinen eigenen Ansprüchen nachkommen und bei der einzigen Person beginnen, die ich wirklich beeinflussen kann: bei mir. Ich kann dem Rest der Welt viel erzählen, ändern kann ich nur mich selbst. Selbstverständlich gilt das für jeden von uns und ich wünsche mir zutiefst, dass sich das endlich alle bewusst machen würden. Man kann nicht warten, dass die anderen anfangen oder „irgendwer schon irgendwas unternehmen wird“! Jeder muss ran, auch du, lieber Leser.
Und deshalb lebe ich jetzt vegetarisch. Es ist die vergleichsweise umweltfreundlichere Lebensweise – natürlich vorausgesetzt, man macht sich allgemein ein paar Gedanken über die eigene Ernährung und wo die Lebensmittel herkommen. Ich esse kein Fleisch mehr, weil Fleisch unheimlich viele Ressourcen verbraucht. Die Tiere, die zum Essen oder Milchgeben gedacht sind, brauchen Trinkwasser, Nahrung, Land. Unmengen davon. Alles Ressourcen, die sinnvoller genutzt werden könnten, wenn die Nutztierhaltung stark – sehr stark! – eingeschränkt werden würde. Also muss die Nutztierhaltung reduziert werden – was sich aber offenbar nicht über den gesunden Menschenverstand, sondern über Angebot und Nachfrage regeln lässt. Da ich der „Fleischindustrie“ genau einen Verbraucher endgültig wegnehmen kann, nämlich mich selbst, tue ich das. Kann aber eine einzelne Person überhaupt was verändern? Ja. Nur einzelne Personen können etwas verändern, denn jeder kann nur für sich selbst Entscheidungen treffen. Wer glaubt, sein eigenes Verhalten sei ja im großen Zusammenhang egal und hätte keine Auswirkungen, der hat sich nur die billigste aller billigen Ausreden gesucht. Pfui über dich, sagt Phrixus.
Es gibt nur eine Sünde, und das ist die Dummheit. – Oscar Wilde
Ich erwarte von niemanden, ebenfalls Vegetarier zu werden. Aber ich erwarte von jedem, dass er seinen Verstand benutzt und sich informiert. Nur wer das tut, kann gut beratene Entscheidungen treffen. Deshalb bitte ich euch inständig: Informiert euch! Meine Vorschläge:
Was hat Tierschutz mit dem Klimawandel zu tun?
Industrielle Landwirtschaft heizt Klimawandel an
Verbrauchertipps Fleisch
Und kauft dann wenigstens nur noch Bio-Fleisch oder beim (artgerecht haltenden) Bauern nebenan!
Um einige eventuell aufgekommene Fragen oder Reaktionen bereits vorwegzunehmen, möchte ich in Zitaten die vergangenen vier Tage beschreiben.
Einige der Reaktionen auf meine „neue Lebensweise“ oder meine Argumentation waren in etwa:
- „Echt? Aha.“ bzw. „Ist mir eigentlich egal.“ (2x)
- „Was?! Warum denn das?!“ (1x)
- „Finde ich gut.“ (5x)
- „Wenn du mal schwanger wirst, musst du aber wieder Fleisch essen!“ (1x) Das ist Quatsch. Und außerdem gerade ziemlich egal.
- „Und woher bekommst du jetzt dein Eiweiß?“ (1x) In Hülsenfrüchten beispielsweise ist jede Menge davon.
- „Tierisches Eiweiß ist aber doch viel besser!“ (2x) Nein, ist es nicht.
- „Aber du kannst doch nicht von allen Menschen erwarten, dass sie sich informieren wie du.“ (1x) Doch.
- „Und wenn sich einer informiert und dann sagt, dass ihm das alles scheißegal ist?“ (1x) Tja. Seine Sache.
- „Aber es wird doch so viel Soja in Südamerika angebaut! Für dein Essen wird der Regenwald abgeholzt!“ (2x!) Nein. Nicht für mein Essen, sondern für Nutztierfutter und Agrodiesel. Die Hersteller meiner Sojanahrung (z.B. Alnatura, Provamel, Tukan) haben definitiv nichts mit der Regenwaldabholzung zu tun. Kein Vegetarier beteiligt sich an diesem Raubbau! Außerdem geht Greenpeace schon seit 2006 dagegen vor und das Sojamoratorium ist 2008 wieder um ein Jahr verlängert worden.
- „Kaufst du denn deine Anziehsachen bei KiK oder Takko?“ (1x) Nein. Früher selten und in Zukunft gar nicht mehr. Neue Alternative: grundstoff.net. Außerdem finde ich diese Frage extrem fies. Auch wenn ich sicher nicht alles richtig mache, mache ich wenigstens einen Anfang und mache irgendetwas richtig, als Heuchler lasse ich mich nicht so leicht hinstellen. Das können die Veganer übernehmen.
- „Ich glaube nicht, dass es eine gesunde Ernährung ohne Fleisch gibt.“ (1x) Manch einer kann sich das vielleicht nicht vorstellen, Experten sagen aber: doch, das geht.
- „Eigentlich müsste ich ja auch…“ (2x) Tja. Deine Sache.
If beef is your idea of `real food for real people,’ you’d better live real close to a real good hospital. – Neal Barnard, M. D
Seven social sins: politics without principles, wealth without work, pleasure without conscience, knowledge without character, commerce without morality, science without humanity, and worship without sacrifice. – Mahatma Gandhi
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- Veröffentlicht:
- Samstag, 9. Mai 2009 / 3:14
- Schlagworte:
- Essen, Ethik, Fleisch, Fleischlos, Gardinenpredigt, Gemüse, Klimaschutz, Moral, Torf, Umweltschutz, Vegetarier, Vegetarismus
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