Ein bisschen mehr Optimismus, verfluchte Scheiße!

Zu „Gelobt sei die Krankheit.“

Ich muss jetzt irgendwas lustiges posten, sonst werde ich ganz einfach verrückt.

Ich denke sogar ernsthaft übers twittern nach (um die Welt permanent mit meinen Gedanken zu belästigen und mir ist grad auch egal, ob ich irgendwie wichtig bin oder nicht. Diese ganzen „Celebrities“ sind auch nur Menschen und genauso wichtig/unwichtg und posten da auch nur, was ihnen grad einfällt.) und darüber ob ich auch ein Buch über den Jakobsweg schreibe. Oder ich nenne es einfach irgendwie mit „Jakobsweg“, dann verkauft es sich gut. Habe jetzt – entgegen aller guten Vorsätze, ganz fleißig an meiner Magisterarbeit zu schreiben (das geht gerade nicht richtig in meinen Kopf) und „Nachtzug nach Lissabon“ fertig zu lesen und danach „Lycidas“ und danach „Nosferas“, jetzt doch erst „Glück kommt selten allein“ vom Doktor Hirschhausen gelesen und sitze jetzt tatsächlich an Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“. Alles so ‘ne Lebenshilfe-Literatur, aber schön, insbesondere jetzt grade. Aber ich komme ins Schwafeln. Zum Lustigen: Suchbegriffe dieser Woche.

Neben den Klassikern „schwule türken“, „girls pinkeln“, „emma watsen nackt“, „hedge leather“, „bumsgeschichten“, „studivz schlampen“, „schminkanleitung zombie“ und „taschentuch essen“ gab es auch einige, die wie ein Wink des Schicksals wirken, beispielsweise „warum sind manche menschen doof?“ (ich dachte, alle Menschen wären doof), „geh mir aus der sonne“, „du stinkst dann scheiße bis zum geht nimmer“ oder „kojotischer sport“ (vermutlich ist Fernsehen gemeint) – und dazwischen ein optimistisch-motivierender:

„sie fickt und lebt“.

Man soll sich an den simplen Dingen freuen, Bedürfnislosigkeit, ein bisschen mehr Epikur, ihr lieben Leute! Weniger Dramatik, Buddha ist schließlich auch an einer öden Lebensmittelvergiftung gestorben. Passiert also den Besten. Gut, Ficken ist kurz nach einer Operation an der Gebärmutter nicht erlaubt, aber abgesehen davon ist das eine wunderbare Definition für den Rest des Daseins. Sie fickt und lebt. Was will man mehr?

Dieses wunderbare Motto bringt mich dann auch zum Optimismus-Overkill. Sollte man sich bei schlechter Laune ganz schnell als Desktop-Hintergrund einrichten und die eigene Position in Sekundenschnelle davon relativieren lassen. Schlimmer geht’s immer.

Amy Winehouse
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Was noch mehr Lesestoff angeht: Heute sind bei mir „Das Antikrebs-Buch“ und „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ eingetroffen. Ich brauche einfach das Gefühl, dass ich zumindest versuchen kann, aktiv an meiner Situation etwas zu ändern. Vorzubeugen. Wenn die Ärzte eine Hysterektomie als unvermeidbar und höchstens durch weitere Operationen aufschiebbar darstellen, muss ich das noch lange nicht hinnehmen.  Auch wenn ich noch keinen Krebs habe, kann ich selbstständig die Bedingungen für ihn verschlechtern, indem ich meinen Lebenswandel verbessere. Das ist keine Garantie für irgendwas – aber ich habe dann wenigstens alles getan, was tatsächlich in meiner Macht stand. Ich will mich mit diesen Gedanken auseinander setzen und ich will das zu einem Teil meines Lebens machen, denn von Wegschieben und Nichtstun und AugenzuundDeckeübernKopf wird NICHTS besser. Also muss ich eben noch mehr verändern, muss aufpassen und bewusst leben. Und dann komme, was wolle. Dann kann ich allen Ernstes sagen, es lag nicht in meiner Macht, oder der von irgendjemandem. Wenn jetzt jemand denkt, ich übertreibe, ich hab ja gar keinen Krebs, dem kann ich nur sagen: Fick dich. Mehr nicht.


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