Pregnant Women Are Smug, oder: Schwanger und trotzdem zurechnungsfähig. Geht das?

Und dann stellte sich mir doch die Frage: Worüber soll ich denn jetzt noch schreiben? Mein Schicksal ist ja quasi besiegelt. Und das Leben besteht ja gefühlt auch aus nichts anderem mehr. Also, natürlich schon, aber wenn ich nach einem Thema für einen Artikel suche, ruft diese Stimme in meinem Hinterkopf: “Schwanger! Schwanger! Alle rechnen doch nur damit, dass du bemüht über andere Sachen schreibst und dann am Ende doch ein Mamablog draus wird!”

Und, Leute, es ist auch schwierig. Ich darf nicht arbeiten und schiebe plötzlich 24-7 einen dicken Bauch vor mir her, mein Leben besteht aus Arztbesuchen, Hebammenbesuchen, Untersuchungen in der Klinik und netten Leuten, die fast schon hysterisch fragen “Und?! Wisst ihr schon was es wird?!?!” Und anderen Schwangeren, mit denen man über Schwangerenkram redet und jungen Müttern, die mit glänzenden Augen erzählen, “wie SCHÖN es ist” und “wie SCHÖN die Schwangerschaft” war und erfahrenen Müttern, die resigniert sagen, “Genieß die Zeit, die du noch hast” oder “Jaja, die letzten Wochen sind die schlimmsten”. Und den ganzen Wehwehchen, die den normalen Alltagsablauf enorm stören und hilfreichen Freunden, die dann sagen, “Na, du hast es ja so gewollt!” und sich unheimlich witzig dabei vorkommen.

Es ist zeitweise total zum Kotzen. Auf einmal wird man vor existentielle Fragen gestellt, zum Beispiel “Stubenwagen oder gleich Kinderbett?” oder “Nestchen ins Bett oder nicht?” oder “Milch abpumpen oder ausschließlch direkt stillen?” – und diese Fragen werden in Muttiforen mit irritierendem religiösem Eifer diskutiert und man ist nach spätestens zwei Minuten Lesen überzeugt, dass das verdammte Kind STIRBT, wenn man keinen Heizstrahler über den Wickeltisch montiert. So Nebensächlichkeiten wie Feminismus und Gleichberechtigung in einer Beziehung trotz Kind werden meist großräumig umfahren. Ich hasse werdende Mütter.

Dazu ein Lied:


Pregnant Women Are Smug by Garfunkel and Oates.

So, und bevor ich mich auch noch in Rage rede über alles, was Schwangerschaft noch bedeutet, über Vorwehen und Rückenschmerzen und die Pharmaindustrie und die finanzielle Seite – kaufe ich mir etwas zu essen (selbstverständlich bio und ultragesund und ballaststoffreich… nein, im Ernst: Pizza) oder spare ich mein Geld für einen dreimal verfluchten geruchsdichten Windeleimer – jajaja, Schwangersein ist natürlich toll und ich freu mich total und es ist tatsächlich auch schön und so weiter, aber das sind die Sachen, die ihr überall lesen könnt und die ja eigentlich kein Mensch mehr hören kann. Und immer diese schockierten Reaktionen, wenn man mal ansatzweise äußert, dass nicht alles eitel Sonnenschein… und dann immer mein eigener Vorwurf an mich, dass ich ja auf hohem Niveau klage und es anderen viel schlechter geht. Was ich eigentlich sagen will ist einfach nur: Es ist verdammt schwer, in der Schwangerschaft nicht auch mal übers Schwangersein zu schreiben. Hoffentlich hab ich das damit jetzt aus dem Kopf. Zumindest erstmal. Denn die Abgründe hören ja nicht auf:  Auf irgendeiner dieser ganzen Muttiseiten, ich glaube Eltern.de oder so, gibt es eine Galerie mit Babykacke. Nicht als Scherz oder Abschreckung, sondern ganz im Ernst, vielleicht als Hilfestellung für junge Eltern, falls man sich mal nicht sicher ist, wie die Kacke aussehen sollte, und mit einem TOTAL SÜßEN lächelnden Baby am Schluss. What. The. Fuck.

Wer zu dem Thema gerne weiteres lesen möchte, allerdings nicht auf elterlichem “Ist das nicht toll?!”- Babykackegalerie-Niveau, sondern eher auf normalem, menschlichem “What The Fuck?!”-Niveau, dem seien die folgenden (englischsprachigen) Artikel auf cracked.com empfohlen:

7 Terrifying Things They Don’t Tell You About Pregnancy

6 Terrifying Things They Don’t Tell You About Childbirth

The 5 Most Horrible Things Nobody Tells You About Babies

Für alle Schwangeren: Alphamom’s Pregnancy Calendar. Der einzige Schwangerschaftskalender, der die geistige Gesundheit aufrecht erhält.

Und wer zu einem ganz anderen Thema von mir lesen will, dem sei Moby-Dick™ empfohlen, denn dort mische ich gelegentlich in der Mannschaft mit: All the subtle demonisms of life and thought.

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