Dieses Jahr war das kürzeste meines Lebens. Und hier ist so gut wie nichts passiert, trotz diverser guter Vorsätze und eines Email-Erinnerungsdienstes (der allerdings erst letzten Monat damit begonnen hat, mir tatsächlich auch Erinnerungen zu schicken). Ich war so beschäftigt mit neuem Job, Nebenjob, Schwangersein, das letzte Mal das Leben ohne Kind verkosten und nun, seit neuestem, selbiges Kind umsorgen, dass ich zu nix gekommen bin und das Jahr nur so an mir vorbeirauschte. Ich habe euch, meine Leserschaft, sehr vernachlässigt und es würde mich ernsthaft wundern, wenn überhaupt noch jemand übrig ist, der diesen Blog aus mehr als Zufall anklickt.
Dennoch.
Mir fallen nicht einmal mehr Themen zum Schreiben ein und ich habe schon ernsthaft erwogen, dieses Ding hier zu schließen, mir ein Tagebuch zu kaufen (so ein analoges Teil aus Papier) und mich darin über meine Unfähigkeit in allen Lebensbereichen auszuheulen. Ich schreibe das hier, weil ich natürlich auf Protestschreie hoffe. Die vermutlich nicht kommen werden, weil ich ja bereits festgestellt habe, dass das Publikum bereits aus Langeweile gegangen ist.
Dennoch.
Jahresrückblicke sind ja “in”. Und anscheinend gab es ja ein vollständiges Jahr 2011, auch wenn ich nichts davon mitbekommen habe und mich sehr häufig gerade noch bremsen konnte, wenn ich wichtige Unterlagen mit 2010 datieren wollte. Hier ist also eine Art Jahresbilanz.
Phrixus’ Jahresrückblick 2011
Respektsperson des Jahres:
Wolf. Weil er Kapitän ist. Weil er mir Bücher schickt, unter anderem eines mit Klosprüchen. Das seine eigenen, handschriftlichen Ergänzungen enthält und irgendwann bestimmt superviel wert ist. Und weil er mich noch nicht dafür hat kielholen lassen, dass ich enorm im Verzug mit zwei angekündigten Texten bin (für das hochwertigste aller Literaturblogs (mit Bikinimädchen), Moby-Dick™).
Schockmoment des Jahres:
Ceptor wollte wegziehen. Tut er jetzt aber doch nicht, und unser Roman kann weiter wachsen.
Anstrengung des Jahres:
Elterngeldantrag. 70 Seiten. Kein Scherz. Ergebnis ausstehend.
Entdeckung des Jahres:
AstroTV hat auch eine Homeshopping-Sendung. Und auch einen Online-Shop, wo man genau nachlesen kann, welches Produkt gegen eine verbeulte Aura hilft. Manches braucht aber auch einfach keinen genauen Verwendungszweck, es ist schließlich aus Atlantis. Oder aus Kunstharz, das zumindest mal jemand angeguckt hat, der einen kennt, der an Atlantis glaubt oder das zumindest behauptet.
Zitat des Jahres:
“Erst wenn das letzte Ziel erreicht und das letzte Problem gelöst ist, werdet ihr feststellen, dass Glück einen nirgendwohin bringt.” von @schriftsteller
Wissen des Jahres:
Malediktologie ist ein Zweig der Linguistik, und die hab ich studiert, ihr Penisköppe!
Dorfmoment des Jahres:
Plötzlich füllt sich der kleine Bio-Hofladen mit unerwartet viel Kundschaft. “Flashmob heißt mer das,” sagt der Bauer.
Tiefpunkt des Jahres:
“Der große Frischhaltedosen-Test” auf RTL.
Fund des Jahres:
Das Laminiergerät (auch “Der Laminator” genannt). Wir haben jetzt eine ganze Menge laminierte Pläne und Listen in der Wohnung hängen…
Kulinarisches Erlebnis des Jahres:
Schokoriegel mit dem Namen “Schweinchenschokolade”, Füllung in den Geschmacksrichtungen “kaugummi” und “blau”. Ich war der Synästhesie nie so nah!
Hausfrauentip des Jahres:
Wassermelonensorbet nur dann machen, wenn man a) sowieso waschen, b) sowieso putzen und c) sowieso renovieren wollte.
Kompliment des Jahres:
“Ich liebe alles an dir. Sogar die Haare in deiner Kimme.” (Ich verrate nicht, von wem und an wen.)
Pornofilmtitel des Jahres:
“Der Teufel trägt Titten” – hab ich selbst entdeckt und stand eine Minute lachend vorm Regal, vertrieb dadurch einen Herrn, der sich dort wohl lieber in Ruhe umgeschaut hätte.
Familienmoment des Jahres:
Will Mutter zum Muttertag anrufen, wie das eine liebe Tochter zu tun pflegt. Es stellt sich heraus, sie ist nach Frankreich gefahren und hat vergessen, Bescheid zu sagen. Wusste nicht, ob nun ich beleidigt sein soll, war andererseits aber sehr amüsiert.
Religiöser Moment des Jahres:
An Ostern erschien mir Jesus und sagte: “Lege ab dein Gruftigewand, ich will dich zu einem Grufti von Menschen machen.” Ich denke seitdem darüber nach.
Ich möchte schließen mit einer Produktbeschreibung aus dem AstroTV-Shop, die ceptor und ich uns in unseren skurrilsten Momenten nicht besser hätten ausdenken können:
Ungefähr 1860 entdeckte ein berühmter Ägyptologe im Tal der Könige einen Ring aus Assuan-Sandstein. Vor Tausenden von Jahren, war dieser Ring “Der Schützer” von den Atlantern angefertigt worden. Der Ring “Der Schützer” ist ein Mysterium unerklärlicher Kraft. Der Ring für Herren “Der Schützer” ist versehen mit einer Abfolge von rätselhaften geometrischen Zeichen, die in einer beabsichtigen Anordnung eingraviert worden waren.
Wir liefern Ihnen dieses Schmuckstück in einer formschönen Schatulle.
Eine beabsichtige Anordnung – schöner könnte man auch das Jahr 2011 kaum beschreiben. Denken wir mal gemeinsam darüber nach.
In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr 2012 (habe tatsächlich zuerst wieder 2010 geschrieben), kommt gut rein, alles weitere wird sich finden.
Hava nagila,
eure Phrixus