Wohin machen Phrixus und der Phrixusmann als erstes einen Abstecher in einer fremden Stadt? Riiiiichtig, in den Buchladen.
In großen Buchläden meide ich ja inzwischen die Fantasy-Abteilung. Ja, ich will defintiv Fantasy-Autorin werden (und wenn ich bei dem Versuch draufgehe!), es stellt sich also die Frage, wie sinnvoll dieses Handeln ist. Mir egal, ich ertrage es einfach nicht.
Diese wunderbaren Tische und Aufsteller und soweit das Auge blickt Titel wie “Die Elfen”, “Die Nacht der Elfen”, “Die Stunde der Elfen”, “Elfenritter”, “Elfenwinter”, “Elfenlicht”, “Elfenlied” – und da hat der Wahnsinn ja kein Ende: “Die Zwerge”, “Das Schicksal der Zwerge”, “Die Rache der Zwerge”, “Der Krieg der Zwerge” (alle von meinem persönlichen Hassobjekt Markus Heitz hingewurschtelt), und noch mehr. Hier eine weiter, kleine Auswahl: “Die Pferdeherren”, “Die Schlacht der Trolle”, “Die Ork-Trilogie”, “Der Schwur der Orks”, “Der Krieg der Goblins”, “Die Halblinge”, “Die Gefährten der Halblinge” (sic!), “Die Oger”, “Die Gilde der Schwarzen Magier, Teil 1-3″, “Das Zeitalter der Fünf, Teil 1-3″… Dazu die unzähligen “Chroniken von Dings”, “Zyklen von Bums”, “Die Tralala-Trilogie, Teil 2″, “Die Blabla-Saga, Teil 15″.
Wirklich, wenn ich in die Fantasyabteilung gehe, muss ich echt fast kotzen. So toll die Verfilmung des Herrn der Ringe auch sein mag, wir verdanken ihr einen überbordenden Markt für salonfähig gewordene Fantasyliteratur. Das ist zwar schön, nur leider heißt “salonfähig” wie immer: eine Menge Leute wollen eine Menge schnelles Geld damit machen. Und, sorry, ich glaube einfach nicht, dass all diese Bücher so unglaublich gut, so originell, so wunderbar erzählt, solche Offenbarungen des Fantasy-Genres sein sollen. Das ist schon statistisch ziemlich unglaubwürdig! Und die guten Romane, die echte Literatur, die geht unter zwischen dem ganzen Fließband-Auftrags-Klischee-Standard-Gewäsch. Ja auch Fantasy kann “echte” Literatur sein, allerdings nicht das, womit uns die Verlage momentan beschmeißen. Man kann nirgends hingreifen, ohne “Band 5 des Zyklus von Murks” in der Hand zu haben. Was keine geplanten Fortsetzungen hat, kann ja nicht gut sein. Und wenn kein aus dem Herrn der Ringe bekanntes oder sonstwie emotionsgeladenens Schlagwort im Titel vorkommt, warum – meine Güte – warum sollte man es dann kaufen?
Ehrlich, wenn ich jemals mein Buch schreibe und im Titel kommen an einer beliebigen Stelle Wörter wie Elfen, Schwert, Krieg, Licht, Lied, Zwerge, Orks, Halblinge, Schwur, Magier, Zyklus, Chronik, Saga oder – Gott bewahre! – Gefährten vor, dann bitte ich hiermit im Voraus darum, erschlagen zu werden.
Im betreffenden Buchladen gab es aber auch eine sehr angenehme Einrichtung, nämlich jede Menge bequeme gepolsterte Sitze, Bänke und sogar anatomisch geschwungene Liegen. Alles lädt zum Verweilen und Probelesen ein – und das kann sich auch als fataler Fehler herausstellen. Denn das Buch, das mir in die Hände fiel, war das wohl viel zu ausschweifend besprochene “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche. Ich habe fast das ganze erste Kapitel gelesen. Und nein, ich werde zum Inhalt einfach nichts weiter sagen… nein. Neinneinnein. Gibt schon genug Geschwurbel darum. ABER BITTE: “Keine billige Provokation”?! Die Roche hat doch kindisch kichernd vor ihrem Schreibgerät gesessen, darauf verwette ich aber mal meine Muschi. Und diesen wunderbar “ehrlichen” Stil findet man vorwiegend bei Fünfzehnjährigen, da springt einem die billige Provokation doch mit dem nackten Arsch ins Gesicht. Blablabla, “Gleichberechtigung von Frauen”… klar. Ich glaube, es war noch nie ein Fall für den Feminismus, dass Frauen jetzt endlich auch geschmacklose “Skandal”-Bücher schreiben. Das können Frauen schon seit einer ganzen Weile, genauso gut oder schlecht wie Männer. Egal, was man von “Feuchtgebiete” halten mag, es ist mit Sicherheit kein Beitrag zur Emanzipation der Frau, sondern einfach nur ein schlechtes Buch. Punkt. Irgendwer hat mal gesagt, dass Gleichberechtigung wäre, wenn Frauen einen Job genauso schlecht machen dürfen wie Männer, oder so ähnlich. Tja, in dem Fall ist das Buch ein totaler Reinfall für die Gleichberechtigung. Denn ein mieses Buch als “mutige” Offenbarung des Feminismus hochzujubeln, nur weil es eine Frau geschrieben hat, und weil es folglich nicht geschmacklos sein kann, sondern feministisch und mutig sein muss – das entlockt mir doch nur eine höhnisch hochgezogene Augenbraue. Naja, und das erste Kapitel bewirkte eine diffuse Übelkeit, über die sich Charlotte Roche gerne diebisch freuen darf, denn ich bin überzeugt, nur das hat sie beabsichtigt.
Also, man das Buch lesen oder nicht, und ich gönne Frau Roche auf alle Fälle den Spaß, den sie sicherlich beim schreiben hatte. Wem es gefällt, bitte. Trotzdem habe ich beschlossen, dass ich leider Charlotte Roche umbringen muss. Nicht für den Inhalt, dies ist schließlich ein freies Land. Nein, es liegt allein an folgendem Satz: “Alles nur das Ladyshaven schuld.” Wer der deutschen Sprache das antut (Roche ist mit dieser Phrase ja nicht allein, man hört sie tagtäglich bei Oliver Geißen, Richterin Barbara Salesch und ähnlich dümmlichen Sendungen. Tja, Frau Roche.), für den sollte man das öffentliche Auspeitschen wieder einführen.
Nach all dem Gemotze meinerseits werde ich mich besser zu “Fucking Berlin” von Sonia Rossi gar nicht mehr äußern. Hab ich ja auch nicht wirklich gelesen. Aber ich werde das Thema “Ist Prostitution vielleicht doch toll?” mal beim nächsten Marburg-Gießener Blümchensex-Stammtisch ansprechen, gleich nach Top 1: “Bei Kerzenlicht und Kuschelrock oder doch gleich ganz Licht aus?”